![]() |
Hier spricht Minna! Jagdsaison |
es ist Oktober und das Sommerloch ist vorbei, leider die Jagdsaison noch nicht. Ich sage ,,leider", obwohl ich ein echter kanarischer Jagdhund bin, denn diese Monate sind für meinesgleichen keineswegs ein Vergnügen! Ein ,,guter Jäger" nämlich hält seine Hunde in dieser Zeit noch knapper an Futter als im ganzen übrigen Jahr, weil - so die Begründung - nur ein hungriger Jagdhund seine Arbeit gut verrichtet. Bei einer Hatz rennen also lauter fellbespannte Gerippe durch die Gegend, wogegen die Herren Jäger selbst meist sehr gut bis übermässig im Futter stehen. Wahrscheinlich deshalb, weil der überhängende Bauch (in Rambo-Tarnkleidung!) sich als vorteilhaft fürs Gleichgewicht erweist, wenn eine (promillebedingte) Fallneigung nach hinten besteht. Und so stolpern und pfeifen viele weinselig in den Hügeln umher, die cazadores. Ein echter Mann hängt an seinem Gewehr wie an seiner Ehre. Und geschossen wird auf alles, was sich bewegt.
Abschliessend werden wieder ein paar Jagdhunde da oben ,,vergessen", man kann sich schliesslich nicht um jeden der ungezogenen Köter kümmern! Das machen dann schon die Ausländer mit ihrem übertriebenen Tierwahn, die haben genug Langeweile und zuviel Geld.
Die Kanarischen Inseln, die von Plinius d.Ä., einem römischen Starautor im Altertum so getauft wurden, weil es damals schon so viele Hunde hier gab, tragen ihren Namen zu recht: von ,,canis" (lat.) dem Hund.
Traurig nur, dass sich seit dem Altertum nichts geändert hat. Die Menschen fliegen ins All und surfen im Internet, aber auf die Jagd gehen sie immer noch, primitiv wie eh und je, und statt an Weisheit zuzunehmen, vergrössern sie jedes Jahr nur ihren Leibesumfang. Die Springerstiefel haben überall in der Welt wieder Hochkonjunktur. Ehrlich gesagt, bin ich stolz ein ,,Canis" zu sein, Nationalität hin oder her, - wir brauchen weder grosse Sprüche noch einen Schiessprügel, unsere Waffen haben wir VON NATUR AUS im Gesicht und unsere Tarnkleidung stammt nicht aus Korea.
Ausserdem sind wir die einzigen Wesen, die mit Fug und Recht von sich sagen können: "Mir sann´scho Hund!!"
Herzlichst Ihre Minna
von der Muro de Sol
Minna´s Montagsgedicht:
Ein echter Hund - das wusst` schon Brehm, hat
vom Gewicht her kein Problem.
Er frisst und säuft nur, wenn er muss, er kotzt auch nicht aus Überdruss,
er meidet Alkohol und Rauch wie alle andern Drogen auch
- kurzum er macht mit dem Instinkt, das was beim Menschen leider hinkt:
VERSTAND zu NÜTZEN, leidig, leidig . Drum ist der Mensch dem Hunde neidig.
Was nützen Messer und Gewehr, wenn oben drin
die Birne leer,
was nützt der aufrecht-stolze Gang, besteht zum Schnaps ein starker Hang
und wuchert man mit Leibespfunden, ist die Ästhetik bald geschwunden.
Was also macht den Mensch ERHABEN, wo bleiben denn all seine Gaben?
Die Gabe gar des Intellekts - ein Opfer
schnöden Nackenspecks?
Wo bleib der Geist, soviel zitiert, der unterscheidet ihn vom Tier?
OFT IST ER NICHT DA und war es nie, manch Mensch ist dümmer als das Vieh,
drum menschlich an Format gewinnt, wer dies erkennt und sich besinnt!!!
Aus: Teneriffa Journal, No. 71, Oktober 1997, Seite 18 / -minna 71-