Die rheumatoide Arthritis
(oder auch Polyarthritis)
Es gibt viele Krankheiten, die mit ihrer ähnlich aussehenden Symptomatik gerne in eine Topf geworfen werden - also, von Tante Erna und Onkel Franz. Da hat doch die Frau Kruse so geschwollene Handgelenke und verdreht sind die auch irgendwie, na, das kann eigentlich nur Rheuma sein, so wie bei der Oma von Tante Erna, oder ist es doch Arthrose oder gar die Gicht? Man traut sich ja auch nicht fragen, schon gar nicht beim Arzt in der Praxis.
Wir wissen dies aus vielen Klagen von Patienten, mit denen wir in den vielen Jahren unserer klinischen Tätigkeit in Kontakt kamen, deshalb betrachten wir es als eine unserer Aufgaben, in verständlicher Sprache medizinische Sachverhalte dem nicht medizinisch Gebildeten nahezubringen.
Unser heutiger Beitrag befasst sich mit der rheumatoiden Polyarthritis, einer Krankheit, die in Schüben verläuft und den Betroffenen das Leben zur Hölle machen kann.
Woher kommt diese Krankheit, die, wie der Name schon sagt, zum "Formenkreis Rheuma" gehört? Kurz gesagt, sie kommt nicht von aussen sondern von innen, aus sich selbst heraus, ist eine Autoimmunerkrankung. Hier bildet das eigene Immunsystem Waffen gegen den Körper und wendet sie leider auch an, deshalb spricht man auch von Autoaggressionskrankheit. In diesem Fall ist "der Feind", der bekämpft wird, die Knorpelsubstanz an den Gelenken, die Gelenkschmiere (Synovia), sowie manchmal auch die Sehnen, die an den Skelettmuskeln anliegen.
Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind noch nicht endgültig erforscht, fest steht jedoch, dass eine familiäre Veranlagung da sein muss, und diskutiert wird auch, ob nicht Virusinfektionen eine gewisse Rolle mitspielen. Immerhin sind 20% der erwachsenen Bevölkerung betroffen, überwiegend Frauen zwischen dem etwa 30. bis 55. Lebensjahr.
Selten heilt die Krankheit nach dem ersten Erscheinen ab, sie ist meist zwar schleichend, aber chronisch progredierend, also fortschreitend. Anfangs fällt nur eine dezente Morgensteife der Gelenke mit Bewegungsschmerzen auf, besonders in Handwurzeln und Fingern - die Symptome sind nach etwa 2 Stunden wieder verschwunden, doch bleibt an den betroffenen Gelenken eine entzündliche Schwellungsneigung. Im Anfangsstadium bilden sich die Entzündungen zurück, aber es kommt immer wieder zu diesen schmerzhaften Schüben, wobei dann allmählich auch andere Gelenke, hauptsächlich Schulter-, Ellenbogen-, Knie-, und Fussgelenke betroffen sind.
Wenn in diesem Stadium die Entzündungsvorgänge nicht durch adäquate Behandlungsmethoden aufgehalten werden, kommt es zu irreparabler Gelenkzerstörung und dadurch zu weitreichenden körperlichen Behinderungen.
Die Betroffenen eignen sich eine Schonhaltung an, d.h. die kranken, schmerzenden Körperteile werden durch Muskelanspannung in diesem Gebiet; bzw. "stillegen" geschont, dadurch entsteht eine Rückbildung der Muskulatur (Atrophie) und längerfristig kommt es zusätzlich zu Osteoporose im Knochen.
Die betroffenen Gelenke verformen sich (deformieren), es kommt zu einer Entartung der Knorpelschichten (hauptsächlich in den Händen), das macht die Gelenke funktionsunfähig. Die Schwellungen bewirken Fehlstellungen der Finger und machen eine Streckung nicht mehr möglich. In diesem Stadium entwickelt sich die sogenannten Rheumaknoten über Knochenvorsprüngen, an den Streckseiten der Gelenke oder in deren Nähe. Sie entstehen durch die nachlassende Bildung der Gelenkschmiere, die ja ebenfalls massiv angegriffen wird.
Scheitert die Krankheit weiter fort, so kann es zu noch weitreichenderen Folgen kommen wie Geschwülste an den Knochenhäuten bis hin zu bösartigen Veränderungen (Synovialsarkom). Unbekannt sind auch nicht diffuse Entzündungen von Blutgefässen oder innerer Organe, wie den Nieren oder dem Herzbeutel (Perikarditis).
Wie gesagt: Dies kann so sein, muss aber nicht so sein, deshalb braucht niemand in Panik zu verfallen. Der Verlauf der rheumatoiden Arthritis ist niemals fest vorherzusagen und kann durch vielerlei Faktoren bestimmt oder geändert werden. (Wie etwa selbstzerstörerische, unbewusste Prozesse) oder hormonelle Einflüsse scheinen höchst diskutabel.)
Da es viele Formen der Arthritis gibt, ist eine sichere Diagnose wichtig. Hierzu gibt es Kriterien, die von der amerikanischen Gesellschaft für Rheumatologie (ACR) festgelegt wurden und die jedem guten Arzt oder Heilpraktiker geläufig sein sollten. Es wäre vielleicht etwas verwirrend, sie hier aufzuführen und nicht im Sinn diese Beitrages. Informationen können Sie aber jederzeit über den Arzt Ihre Vertrauens oder über uns bekommen.
Die Erstellung einer sicheren Diagnose hat den Sinn, die Krankheitsentstehung und das Fortschreiten der Erkrankung selbst zu beeinflussen, bzw. sie zu hemmen und damit die Lebensqualität entscheidend zu steigern.
An Therapiemassnahmen gibt es einige, die aus unserer Erfahrung mehr oder weniger erfolgreich und deshalb entsprechen zu empfehlen sind, ganz egal, ob es schulmedizinische Therapien oder seriöse nicht-schulmedizinische Therapien sind. (Wir vermeiden hier ganz bewusste das Wort "alternativ", da es sich dabei leider oft um abenteuerliche Quacksalberei handelt und das alternative Abweichen nur zu Lasten des Patienten geht.)
Eines ist u. M. nach jedoch sehr wichtig und wird vielfach vergessen: Dass nämlich die Psyche auch bei der rheumatoiden Arthritis eine Rolle spielt, - dass u. U. eine innere Umstimmung, nicht zu unterschätzenden Veränderung der Lebenssicht und verhaltenstherapeutische Massnahmen erfolgen sollten.
Vielfach sind polyarthritische Patienten erfüllt von zu hohem Verantwortungsbewusstsein, Perfektionismus und sich-nicht-verzeihen-können, (bitte: unter anderem!) - hier gibt es Strukturen, die oft - zu oft, um zufällig zu sein - auftreten, sollte man nicht beginnen, dies mehr zu berücksichtigen? Neben den rein körperlichen Therapien?
In allen Fragen, die unser heutiges Thema betreffen, aber selbstverständlich auch in andern Fragen können Sie sich, wie immer, an uns wenden.
Bis zum nächsten Mal.
Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen!
Ihre Naturheilpraxis
Kelchner - Lamberts
El Medano
Tel.: 922 17 60 58