Ist Sport Mord??


Wer DAS in unserer heutigen Gesellschaft vertritt, der holt sich entweder ein mitleidiges Lächeln (inklusive den entsprechenden Blick auf körperliche Befindlichkeiten, langsam, von oben nach unten und zurück . . .) oder er ist Autor des Buches: "Bang vor dem Zwang" und darf legal unsportlich sein.

Ein normaler Mensch, sagen wir um die Dreissig, MUSS sich sportlich betätigen. Wer nämlich Sport treibt zeigt 1) dass er körper-bewusst, also intelligent ist und 2) einen Beruf hat, der ihm Freizeitaktivitäten überhaupt gestattet, er also zu einer privilegierten Schicht gehört. Körperliche Schwerstarbeiter (auf unseren Image-Hitlisten ziemlich weit abgeschlagen) neigen eher zum TV-Schlummer oder dem Stammtisch, sagt man. Wer was auf sich hält und will, dass die anderen was von ihm halten, der strampelt, stemmt, joggt, schlägt und schwitzt. Nie wurde Sport verbissener betrieben als heute.

Es ist nicht mehr die simple Freude, die die Massen in die Studios und auf die Plätze treibt, es ist eine Einstellung, eine Philosophie, ein gesellschaftliches Diktat, ein Seins-Zustand: erst wenn ich fast alle bin, FÜHLE ich mich. Ich treibe Sport, also BIN ich.

Von den Auswüchsen des modernen Sports, die ausgebrannte, gedopte, verletzte oder getötete Opfer zeitigen, wollen wir hier gar nicht sprechen - es reichen schon die Malaisen, die den normalen Freizeitsportlern das Leben schwer machen: der Tennisarm, das Schulter-Arm-Syndrom, Meniskusprobleme, Zerrungen, Prellungen, Bänderrisse, Distorsionen, Frakturen, und, und. Fast jeder kennt jemanden, der schon mal mit einer sportlichen Blessur einherkroch und schief grinsend zugab: "Vom letzten Training, hatte´ne Zeitlang nicht mehr gemacht "

Wer nun denkt, wir seien GEGEN SPORT, der irrt - wir wissen wohl, wovon wir sprechen! (Squash, Golf, Tennis, Skifahren, Klassisches Ballett, etc.) - wir sehen aber auch, was sich abspielt, wenn einer mit lahmen Ellenbogen seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann und von Praxis zu Praxis wandert, da kommt keine Freude mehr auf. Was ist passiert ?

Kurz gesagt: Überforderung bei mangelnder Vorbereitung, bzw. absolute Überforderung bei zuviel Ehrgeiz. Weitere Rücksichtslosigkeit dem Körper gegenüber produziert schliesslich die chronischen Leiden, entzündliche Prozesse, degenerative Veränderungen (Bei Profisportlern oft genug zu sehen). Selbst bei einem durchtrainierten Körper gibt es Grenzen, erst recht beim Ab-und-zu-Freizeit-sportler, - wer dauernd am Schreibtisch sitzt, kann seine Muskulatur nicht durch plötzliche Willensaufwallungen zu anderen Funktionen zwingen. Besser gesagt, er kann es kurzfristig erzwingen, aber das wird er bereuen, früher oder später.

Aus falschem Ehrgeiz, Zeitgründen, Unwissen oder Schlampigkeit entstehen die Symptome, mit denen Bänder, Muskeln, Nerven oder Bandscheiben sich "wehren" und das empfindet der Betroffene auch noch als unerhörte Zumutung: Da macht man schon was für die Gesundheit, und nun das !
Typisch ist der 50-jährige Patient, leicht zur Masse neigend, etwas hoher Blutdruck aber "sonst noch gut in Schuss"...., dynamisch, früher noch ganz anders sportlich! - jetzt Vollwerternährung, aber dafür im Beruf und mit der Frau gestresst (na, wer nicht, ha ha ha, sagt er) - doch nun geht er gekrümmt von einem Dauerschmerz im Rücken, das ganze Schmerzmittelzeug hat nichts geholfen: Er lächelt tapfer: "Das letzte Match hätte ich vielleicht nicht spielen sollen, aber ich wollte einfach mal wieder was für meine Fitness tun ... !"

Oder: Die Golferin, Anfang Vierzig, die genaugenommen wegen ihres Mannes spielt und weil die Frauen der Geschäftsfreunde auch spielen, hat jetzt schon länger ein Schulter-Arm-Syndrom mit höllischen Schmerzen oder: der 20-jährige Surfer im Urlaub, endlich mal weg vom Computer, nur noch Wellen und Sonne, und leider am zweiten Tag einen Muskelfaserriss am Oberschenkel .....

Körperbewusstsein ?

Hier ein paar prinzipielle Ratschläge:
Ganz egal, welchen Sport Sie betreiben, gehen Sie nie (!) ohne Aufwärmen ins Training oder an den Start.

Nehmen Sie sich eine gute Viertelstunde Zeit zu Dehnübungen und Muskel "warm up" und machen Sie beides gründlich und wirklich körper-bewusst!
Lassen Sie sich durch niemanden und nichts zu "Beweisen Ihrer Superform" herausfordern, auch nicht durch sich selbst! ("Das werden wir ja mal sehen, du alter Knochen, ob das nicht noch geht!")

Betrachten Sie Ihren Körper als einen braven, treuen Freund, der Ihnen immer wohlgesonnen ist und allen Ihren Wünschen versucht, nachzukommen.

Wenn Sie ihn einigermassen richtig ernähren, ihn nicht mit Medikamenten, Drogen, Alko- hol und Nikotin kaputtmachen oder durch ungewohnte Höchstleistungen foltern, bleibt ihr Körper das Beste, was Ihnen in diesem Leben passieren kann!

Und noch etwas.: Jeder, der das Gefühl hat, jetzt endlich mal "etwas tun zu müssen" (weil er vorher nie oder schon lange nichts mehr getan hat), der sollte auf jeden Fall zuerst einen ärztlichen Checkup machen lassen !
Die Herzleistung muss stimmen, bzw. der gewählten Sportart angepasst sein. Es hat keinen Zweck, mit hohem Blutdruck oder Durchblutungsstörungen radikal in Tennis oder Squash einzusteigen oder etwa mit Jogging zu beginnen.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, was Sie tun sollen und wozu er Ihnen rät.
Dann beginnen Sie mit einer Trainingsperson und zwar mit einer professionellen, die richtige Haltung beim Sport verhindert zunächst schon einmal, dass Sie sich schädigen. Abgesehen davon gewinnen Sie nie einen Blumentopf, wenn Sie sich falsche Positionen angewöhnen!

Übrigens: Wussten Sie, dass beim Tennis wie beim Golf fast genausoviele Kalorien ver- braucht werden, obwohl Tennis weitaus belastender ist ?
Der Bewegungsablauf beim Golfen ist fliessender und deshalb schonender für den Organismus, daran sollten vielleicht gerade ältere Sportbegeisterte denken.


Wenn Sie sich nun verletzt haben, - was ist zu tun ?

1. Abklärung beim Arzt, am besten zum Sportmediziner, Erstversorgung der Verletzung.

 

2. Liegt eine Fraktur (Bruch) vor, ist Gips kaum zu umgehen.

Bitte achten Sie darauf - falls Sie in der Klinik behandelt werden, - dass der Gips nicht zu eng sitzt und sehen Sie zu, dass Sie nicht länger als unbedingt nötig in Gips bleiben. Früher galt eine längere Ruhigstellung des betreffenden Körperteils als üblich, davon kommt man heute mehr und mehr ab. Elastische Verbände und vorsichtiges Bewegen verhindern, dass Gelenke versteifen oder die Muskeln verkümmern (Atrophie).
Setzen Sie sich am besten wegen der besseren Verständigung auf jeden Fall mit einem deutschen Facharzt in Verbindung (Wenn Sie keinen kennen oder unsicher sind, helfen wir Ihnen gerne weiter).

3. Es gibt ausgezeichnete naturheilmedizinische Behandlungsmethoden, mit denen man Sportverletzungen, auch degenerativer oder chronischer Art therapieren kann.
Renommierte Sportmediziner greifen nicht umsonst zu entsprechenden Therapieformen, wenn Cortison und Co. nicht die gewünschten Erfolge bringen können. (Wobei Cortison, richtig eingesetzt, durchaus seinen Platz hat.)
Wir beraten auch hier über mögliche Methoden der Behandlung.

4. Sie können natürlich eine Sportverletzung vollkommen vermeiden, wenn Sie es halten wie Winston Churchill seinerzeit: "No sports"!

Egal, was Sie tun, - wir sind auf jeden Fall für Sie da.

Ihr Consultorio Kelchner - Lamberts
El Medano
Tel.: 922 17 60 58

 

Teneriffa Journal No. 78 März/April 1999 Gesund.- Sport-Mord