Rebellion des Immunsystems
Was ist eine Allergie?
Wenn man die Großeltern erzählen hört,
gab es Sie früher nicht und es ist auch tatsächlich so, dass in den 60er Jahren dieser
Begriff allmählich publik wurde. Seitdem stieg und steigt die Zahl derer, die auf irgend
etwas allergisch reagieren, jeder fünfte zählt inzwischen dazu und es sind u. a. Kinder.
Wieso ist das so und warum reagiert der menschliche Organismus abwehrend auch auf
natürliche Stoffe wie Pollen, Gräser, Haare oder Staub? Es sind ja gerade oft eben diese
Stoffe, die heftigste Asthmaanfälle auslösen oder gar einen Allergischen Schock, der
tödlich sein kann. Wieso stirbt jemand an einem Wespenstich?! Und ist denn der normale
Hausstaub giftiger als früher? Es gibt viele Theorien über die Zunahme von Allergien. Da
wir in unseren Beiträgen aber aus der Sicht der Naturheilmedizin sprechen, legen wir auch
in diesem Fall unsere Ansicht dar:
Gerade in den Jahren des sogenannten Wirtschaftswunders - wie überall, wo es aufwärts
geht begann bei uns das Grossreinemachen. Die neugebauten Bäder und Duschen wurden
immer hygienischer und glänzender, die Küche und die Armaturen bekamen besondere
Reinigungsmittel verpasst, für die Böden nahm man den Meister Proper und alles wurde
desinfiziert. Die Wäsche immer weisser (und sie wird es noch immer), - irgendwann werden
Hausfrauen beim Wäscheaufhängen eine schwarze Brille aufsetzen müssen, weil sie sonst
erblinden! Zwar wurde allmählich bekannt, daß der ganze Hygienewahnsinn seinen Preis
hatte, doch sind die Konsequenzen scheinbar immer noch nicht hinreichend klar, sonst gäbe
es nicht moderne Werbespots, die zeigen, daß ein Kleinkind "unbedenklich" mit
der Hand am Klorand abrutschen kann "Hopps""). Dieses Kind hat bestimmt
keine Fäkalbakterien auf der Haut, dafür aber wahrscheinlich Neurodermitis oder Asthma.
Eine unserer Theorien geht dahin,
festzustellen, dass unsere Gesellschaft zu wenig Kontakt mit überall vorkommenden
Bakterien, Pilzen und Viren hat, viele Erreger sind durch unsere "Wundermittel"
ausgerottet. Leider aber sind einige Erreger ziemlich schlau und werden immun oder sie
werden ein bisschen anders oder etwas giftiger. Das reicht dann, um beim menschlichen
Immunsystem Alarm auszulösen. Andererseits ist dieses Immunsystem durch immer
wiederkehrende Antibiotikagaben irritiert (jawohl, auch durch Fleisch nehmen wir ständig
Antibiotika zu uns, auch wenn es ständig von entsprechenden Stellen dementiert wird! Wo
gemästet wird, sind solche und andere Substanzen im Spiel. Wir hindern die körpereigene
Abwehr an ihren Aufgaben, lassen sie müde und lasch werden, so daß im Fall einer
allergischen Reaktion - wo etwas "überschiesst" vielleicht auch aus diesem
Grund alles heftiger abläuft als es nötig wäre! Es ist so als ob man eine Armee
daran hindert, einen Gegner kennenzulernen, und zwar mit allen Mitteln, - dann kommt eine
harmlose Truppe anmarschiert und unsere Armee wirft eine Atombombe. (So viel zu den
allergischen Reaktionen gegenüber natürlichen Stoffen!)
Es kommt aber noch etwas Wichtigeres hinzu und das ist die Tatsache, dass überall IN UNS
und UM UNS vermehrt Giftstoffe sind, die sich oft langsam anreichern und nicht abgebaut
werden können, egal ob sie sich in unseren Haaren oder denen von Tieren oder in den
Ausscheidungen der Hausstaub-Milbe befinden. Die Pollen tragen die Toxine der überall
versprühten Pestizide, und auch das Bienen- und Wespengift ist davon nicht verschont. Es
ist doch klar: die Folgen unseres täglichen weltweiten Missbrauchs kommen ALLE auf uns
zurück! Es wäre eine Milchmädchenrechnung, wenn man glaubte, "irgendwie, naja,
wird es sich schon richten ..., soo schlimm wird es schon nicht sein, und überhaupt, die
ewige Schwarzmalerei!" Wer einmal einen allergischen Schock miterlebt hat oder ihn
gar selbst erlebt oder ein Kind mit Asthma kämpfen sieht, ist sich spätestens dann klar
darüber, dass man mit Lügen in die eigene Tasche nicht weiter kommt.
Es muß auch nicht immer dramatisch ablaufen, auch eine Neurodermitis oder ein
allergisches Ekzem kann den Betroffenen und der ganzen Familie das Leben zur Hölle
machen. Die vielen neuen Zusatzmittel in der Nahrung, unbekannte Konservierungsstoffe oder
eine für den Laien unübersichtliche Kennzeichnung machen die Sache nicht leichter.
Selbst wenn man weiß, worauf man allergisch ist, ist die Substanz oft ungenügend oder
gar nicht vermerkt und das Wort "Bio" sagt noch gar nichts.
Was läuft bei einer allergischen Reaktion denn nun ab: Zunächst nichts
"Unnormales", ganz im Gegenteil.
Man bekommt Kontakt mit einer Substanz. Aus irgendeinem Grund "gefällt" sie dem
Körper nicht, vielleicht weil er sie nicht kennt oder weil sie giftig ist. Davon merken
wir zunächst nicht. Unser Immunsystem wehrt diese Substanz (das Allergen) souverän ab,
ohne grosses Trara. Es merkt sich aber genau, wie das Allergen aussah und es bildet gegen
diesen "Feind" einige sehr tüchtige Soldaten aus, die Antigene. Diese haben nur
die eine Aufgabe, auf das Allergen zu achten und es wiederzuerkennen, falls es noch einmal
auftaucht!
Wie es der Teufel will, gibt es einen zweiten Kontakt und nun stürzen sich die Antigene
befehlsgemäss auf die Allergene und versuchen sie auszurotten. Das geht aber nicht, weil
sie nur "Erkennen" im Programm haben und nicht "Ausrotten". Antigen
sitzt nun auf Allergen und jetzt tritt das Kampfprogramm des Organismus in Kraft. Das
gesamte Immunsystem macht mobil gegen den gefährlichen Feind und nun kommt es zu der
allergischen Reaktion. Die läuft deshalb so heftig ab, weil die Substanz als ganz
besonders bedrohlich eingestuft wird.
Man kann natürlich allergisch gegen verschiedene Stoffe sein, wir alle kennen das Foto
der bemitleidenswerten Menschen, die schliesslich isoliert unter einem keimfreien Zelt
leben müssen. Wenn man dann noch von Leben sprechen kann! Wieso es allerdings den einen
so schwer erwischt und der andere sich nur mal kratzen muss, das ist noch nicht geklärt.
Wogegen kann man allergisch sein: Kurz gesagt, gegen alles. Die bekanntesten Reaktionen gibt es auf Kontakte mit Kunststoffen, Wolle, Seide, Konservierungsmittel, Farben, Reinigungsmittel, ausgasende Substanzen wie Formaldehyd u. a., Medikamente, Bleichmittel, Metalle, Kosmetika, Pflanzen, Hygieneartikel, Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze und und, die Liste wäre beliebig fortsetzbar.
Wie sieht die Reaktion aus? Auch hier reicht
das Spektrum von der laufenden Nase und Niesreiz, vom Juckreiz über das Ekzem bis zum
Asthma, bis hin schliesslich unter Umständen zum anaphylaktischen Schock mit
Kreislaufversagen. Es gibt schleichende Verläufe mit unerklärlichen Kopfschmerzen,
Übelkeit und Schwindelanfällen, Gelenk- und Gliederschmerzen, selbst
Lähmungserscheinungen wurden bekannt.
Ein Allergen kann eingeatmet oder berührt werden, es kann auch über die Blutbahn
(Infusionen, kleine Wunden u.ä.) in den Körper gelangen.
Ein inzwischen bekannter Faktor zum Auslösen einer allergischen Reaktion ist sicherlich
die Psyche, das seelische Gleich- oder Ungleichgewicht eines Menschen. Ebenso wie bei
allen Krankheiten ist dies vielleicht das Fünkchen, das den Brand erst entfacht, denn
nicht bei allen, die eine Veranlagung zu einer Allergie haben, bricht diese auch aus.
Streß in Partnerschaft, Berufsleben oder sonst im persönlichen Bereich, Streß, der
nicht verarbeitet werden kann, ist mindestens ebenso giftig wie jede gefährliche
Substanz. Dies sollte gerade auch bei Kindern nicht vergessen werden! Kinder können oder
dürfen vieles nicht aussprechen oder erklären und ganz kleine Kinder mit Neurodermitis -
davon gehen viele neuere Forschungen aus - haben Stress bereits im Mutterleib erlebt oder
leiden unter Spannungen innerhalb der Familie. In solchen Fällen ist neben der
Basistherapie unbedingt eine Familientherapie angezeigt, aber das wäre bei vielen anderen
Krankheitsbildern ebenso notwendig.
Was ist zu tun bei einer Allergie: In jedem Fall zuerst abklären (lassen), wogegen man
allergisch ist. Dies ist nicht immer ganz einfach und in manchen Fällen ein
Detektivspiel. (Bitte selbst in solch einem Fall nicht nur symptomatisch behandeln,
d. h. Kortison hilft NICHT gegen die Allergie selbst, sondern lindert lediglich Juckreiz
und Schwellung!). Gehen Sie zielstrebig der Sache auf den Grund und lassen Sie nicht
locker. Nach Identifizierung des Allergens, z. B. bei Hausstaub-Allergie
Entweder den Staub in Ihrem Haus reduzieren, wie immer sie das auch anstellen mögen oder
Desensibilisieren. Bei der Desensibilisierung wird die Substanz gegen die man allergisch
ist, in kleinen Dosen und stark verdünnt unter die Haut gespritzt. (Bei Kleinkindern kann
man sie auch oral geben, wobei die Wirkung aber schwächer ist). Praktisch wird der
Körper ganz langsam mit "seinem Feind" vertraut gemacht, bis er ihn duldet.
Kann man nicht desensibilisieren - denn leider klappt es nicht immer - weiß aber das
Produkt oder das Allergen, wird man natürlich versuchen, dies einfach wegzulassen
(Allergen-Karenz).
Bei akuten allergischen Reaktionen wie z. B. das Auftreten von Quaddeln auf der Haut oder
Atemnot muss sofort ein Arzt zu Rate gezogen oder das nächste Krankenhaus angesteuert
werden. Hier gilt, wie bei allen Notfällen: Keine Panik - aber zügig handeln. Wenn Sie
eine oder mehrere Allergien haben, sollte man neben der Identifizierung, Allergen-Karenz
und/oder Desensibilisierung den Organismus zur weiteren Behandlung vorbereiten, indem man
ihn entgiftet. Hierzu gibt es in der Naturheilmedizin entsprechende Mittel, die schonend
und effektiv wirken. Anschliessend wird das Immunsystem durch natürliche Substanzen
gestärkt und stabilisiert, wobei ein ebenso grosses Gewicht auf die Beseitigung von
Stressfaktoren gelegt werden muß. Als begleitende Therapie zur Basisbehandlung kommen
Akupunktur, Meridianbehandlung (nach Penzel) und Heilhypnose, bzw. medizinische Hypnose in
Betracht. Bei vielen Allergien ist auch eine Umstellung der Ernährung notwendig, doch
dies muss, wie alles andere im Einzelfall genau abgeklärt werden.
Als abschliessende Bemerkung möchten wir zusammenfassen: Leben Sie so natürlich wie möglich, folgen Sie dabei mehr dem WAS IHNEN GUT BEKOMMT egal, was in "Brigitte´s Gesundheitstips" oder sonstwo darüber steht, legen Sie wert auf AUSGEGLICHENHEIT und setzen Sie sich und Ihre Kinder sowenig wie möglich unter irgendeinen Druck, - geraten Sie bei Erkältungskrankheiten Ihrer Kinder nicht in Panik, lassen Sie sie (mit einem überwachenden Auge) ihre KRANKHEITEN "AUSBRÜTEN" - verwenden Sie sowenig wie möglich Reinigungsmittel, dies betrifft Körper und Ihren Haushalt, also weniger Hausputz, dafür mehr Seelenpflege ... . Und wenn Sie etwas erwischt, denken Sie daran: Ein Symptom ist ein HINWEIS, der der Gesunderhaltung des Organismus dient. Und diesem, dem guten treuen Knecht, kann man ruhig öfter mal Danke sagen.
Consultorio
Kelchner-Lamberts,
El Medano
Teneriffa Journal, No. 75, Sommer 1998, Seite 6 + 7 / immunsystem