Was tun bei offenen Beinen?!

 

Wer von uns kennt es nicht, das "offene Bein" (Ulcus cruris), ein Übel, das meistens in älteren Lebensjahren auftritt, aber auch Diabetiker jüngeren Alters durchaus betreffen kann.

Das Ulcus cruris ist ein Geschwür in der unteren Hälfte des Unterschenkels, das schlecht oder gar nicht heilt, bzw. immer wieder neu aufbricht. Es ist schmerzhaft, juckt oder brennt und die Betroffenen sind nicht nur in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt, sondern in ihrer ganzen Lebensweise.

Oft wird ein "offenes Bein" schamhaft verschwiegen. Es wird verpflastert und gewickelt und man tut so, als sei weiter nichts. Durch unsachgemässe Eigenbehandlung gibt es leider in vielen fällen Infektionen, die vermeidbar wären. Ein Ulcus cruris ist eine ernste Sache, die unbedingt in die Behandlung eines kompetenten Therapeuten gehört!

Das Wichtigste ist zunächst - wie immer - das Erforschen der auslösenden Faktoren. In etwa 85% aller Fälle handelt es sich um eine venöse Erkrankung, das heisst, die Beinvenen sind ursächlich betroffen. In ca. 14% sind es Durchblutungsstörungen in den Arterien (Schlagadern), z.B. als Folge von Fettstoffwechselstörungen und Diabetes. In wenigen Einzelfällen sind Verletzungen und/oder Infektionen der Grund für ein Unterschenkel-geschwür.

Gestört ist immer die Wundheilung, meist ist der Stoffwechsel zu sauer. Es bestehen oft jahrelang vorher Krampfadern (Varizen) oder es gab eine oder mehrere Thrombosen. Eine gewisse Rolle scheint auch die familiäre Veranlagung zu spielen.


Wenn die Ursache des Ulcus cruris gefunden ist, kann es erfolgreich behandelt, also dauerhaft ausgeheilt werden. In unserer Praxis arbeiten wir nach folgendem Behandlungs-schema:

Das Geschwür wird sorgfältig gereinigt und dann unter Verwendung eines (medizinischen) Plastikbeutels mit Ozon begast. Dieses Gas hat - wie wir schon im letzten Artikel erläuterten - eine starke keimabtötende und reinigende Wirkung. Gleichzeitig regt es die Zirkulation in den kleinen Blutgefässen an (Mikrozirkulation).

Es folgt ein spezieller Verband mit Hydrokolloid- oder Algenplatten und das Bein wird in besonderer Weise gewickelt. Die Handhabung der elastischen Binden wird dem Patienten genau erklärt, denn während der gesamten Behandlungsdauer muss das betroffene Bein sachgemäss gewickelt werden.


Unter den Spezialverbänden entwickelt sich auf dem gereinigten Gewebe neue Haut. Die Häufigkeit der Verbandswechsel und der Begasung hängt davon ab, wie gross und wie verunreinigt der Ulcus ist und wie schnell die Ursache beseitigt werden kann.

 

4. In jedem Fall muss die Durchblutung gefördert werden. Nach unserer langjährigen Erfahrung hat sich auch hier das Ozon bewährt. Wir verabreichen es zusammen mit etwas Eigenblut als Infusion, begleitet von verschiedenen naturheilkundlichen Zusatzwirkstoffen. Unterstützt wird das ganze durch Akupunktur.
Einige Kollegen empfehlen (wieder) die Zuhilfenahme von Blutegeln, die zur Reinigung und Anregung der Blutzirkulation rund um das Ulcus angesetzt werden. Dies setzt aber eine psychisch eher robuste Natur des betreffenden Patienten voraus, denn nicht jeder findet Blutegel putzig!


5. Ein wichtiger Punkt ist, dass die Patienten ihre Ernährung etwas bewusster betreiben und ggf. umstellen. Tierisches Eiweiss fördert eher den sauren Stoffwechsel, ebenso zu üppiges Essen, zuviel Süsses und Alkohol. Man muss aber nicht gleich als "grämlicher Müsliriegel" weiterhin durchs Leben gehen! Ein guter Therapeut nimmt sich die Zeit, Sie mit einer gesünderen und trotzdem schmackhaften Ernährung vertraut zu machen.

6. Man kann als Patient auch Zuhause mit physikalischen Anwendungen weitermachen, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Wir erklären gerne, wie man kalte Güsse, Lehmwickel und andere wirksame Massnahmen handhabt.

7. Nach der Ernährungsumstellung ist eine gründliche und schonende Darmsanierung empfehlenswert. Durch entsprechende Substanzen wird der Körper entgiftet und von sauren Stoffwechselprodukten gereinigt.

Übrigens: Falls Sie übergewichtig sind, haben Sie weitaus grössere "Chancen" ein Ulcus cruris zu bekommen als jemand mit einigermassen Normalgewicht. Und nicht nur das, leider.

Consultorio
Kelchner-Lamberts

 

Aus: Teneriffa Journal, No. 71, Okt. 1997, Seite 4+5 / -Beine-