Gesundheit - natürlich ?
Leider nicht. Weder sind wir alle kerngesund, noch kurieren wir unsere Krankheiten organismusgerecht. Zwar wird wieder viel über Naturheilmedizin gesprochen, aber wenn eine Erkältung ins Haus steht, greifen viele doch eher zu "Wick Medi-Nait" als zu Echinacin. Man schläft ja so gut mit dem Saft! Kein Wunder, es ist nämlich Atosil drin und das wird in den Krankenhäusern u. a. zum Ruhigstellen alter und verwirrter Patienten verwendet ...
Man verschläft eigentlich nicht seine Erkältung, wie der Werbespot so liebevoll erklärt, sondern man verpennt die Möglichkeit, seinen Körper im Krankheitsfall zu unterstützen.
Unser Organismus ist ein perfektes Wunderwerk. Wir sind das vielseitigste und anpassungsfähigste Lebewesen der Evolution, - von der "Krone der Schöpfung" reden wir lieber nicht, dazu gehört schon mehr, als das was wir zu bieten haben.
Täglich überstehen wir Angriffe von Bakterien, Viren und Pilzen, ohne dass wir es bemerken, selbst Krebszellen werden abgetötet, einfach so, ohne viel Trara. Im Normalfall jedenfalls, wenn das Immunsystem funktioniert. Besser gesagt: wenn wir es lassen und ihm erlauben zu funktionieren und es nicht durch zuviel Alkohol, Nikotin, falsches Essen und sonstige Seitenhiebe torpedieren. Was die Naturheilkunde will, ist, das Bewusstsein für den eigenen Körper wieder zu wecken, seine Signale besser zu erkennen und die Gelegenheit zur Selbstheilung nicht zu verpassen.
Kopfschmerz ist ein Signal und wenn es jahrelang missachtet wird und per Knopfdruck ,,abgeschaltet, schnell!", so sind irgendwann die Nieren sauer. Eine ganz klare logische Rechnung. Tausende von Dialysepatienten verdanken ihr Schicksal dem Schmerzmittel-missbrauch und selbst dann haben sie den Mechanismus noch nicht erkannt.
Die Schulmedizin ist nur scheinbarer Gegner der Naturheilkunde. Ursprünglich war die natürliche Medizin sogar der Vater der heutigen Schulmedizin.
Es verhält sich etwa so, als wenn ein Sohn von seinem Vater lernt. Der Vater wird älter, der Sohn pubertär, es gibt Kompetenzschwierigkeiten. Der Junge hält den Alten für senil und weiss alles besser. Er vergisst bei all seinem modernen Know How, dass man vielleicht nicht alles vorher gelernte zu Schrott erklären sollte und er macht Karriere. Man entzweit sich, später stirbt der Vater, nur seine Aufzeichnungen überleben. Der Sohn kommt in die Jahre und siehe - er fühlt manchmal Erkenntnisse in sich aufkeimen, die ihn an den Alten erinnern. Immer öfter denkt er an das Gesagte, Geschriebene, an diese oder jene Theorie so schlecht war das nicht, denkt er, ganz im Gegenteil ...
Wie wahr. Die kleine Story ist eine exakte Beschreibung der heutigen Situation. Auch unter den Schulmedizinern wächst die Überzeugung, und es ist vor allem belegbar, dass die Naturheilkunde mehr zu bieten hat, als nur einen frommen Heilerblick und die Forderung: "Sie müssen ganz fest daran glauben!".
Wir werden Sie in den kommenden Folgen über die Möglichkeiten von Therapieformen informieren, die seriös und erprobt sind und sich bei bestimmten Krankheiten alternativ anbieten. Der Besuch beim Arzt erübrigt sich dadurch nicht, vor allem nicht auf dem Gebiet der Vorsorge und bei schweren Erkrankungen. Schulmedizin und Naturheilkunde haben die gleichen Wurzeln, eine sinnvolle Ergänzung von beiden ist der Weg, der zu beschreiten ist.
Consultorio
Kelchner-Lamberts
Aus: Teneriffa Journal, No. 68, Jan./Feb. 1997, Seite 14 / - gesund -