Schmetterlinge
Das Mariposario in Icod de los Vinos

Wir kommen nach Icod de los Vinos im grünen Norden der Insel Teneriffa. Nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt erreichen wir die Stelle, an der "El Drago" steht, der grösste und älteste Drachenbaum der Kanaren.
Die einen sagen, er sei über 1000 Jahre alt, andere beziffern ihn mit einem Alter von 300 oder 500 oder 700 Jahren. Wie dem auch sei, er ist mit Sicherheit der älteste lebende Zeuge der Kanarischen Vergangenheit. Und könnte er reden, so würde er uns Dinge erzählen können, an die wir bislang im Traum nicht einmal gedacht haben.
Nicht zu Unrecht ist der Drago eines der wichtigsten Wahrzeichen der Kanarischen Inseln.

Aber bevor wir an die Naturstein-Mauer gelangen, die neuerdings das Gelände des ältesten Drago der Insel abgrenzt, sehen wir auf der rechten Seite davor ein neues Gebäude, das es vor drei Jahren noch nicht gab. Eine Art Glaspalast mit der grossen Aufschrift davor "Mariposario".
Durch einen kleinen Eingangsbereich, der gleichzeitig auch eine Art Luft- schleuse zu bilden scheint, geraten wir dann in eine eigene kleine Welt, die mit der Aussenwelt, die wir soeben verlassen haben, nichts mehr zu tun hat.

Der erste Eindruck ist der einer überschäumenden tropischen Pflanzenwelt, eine Art kleiner Mini-Dschungel.
Sekunden später spüren wir dann eine ungewöhnliche Wärme mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit, so dass wir froh sind, dass wir nur sehr leicht bekleidet sind, sonst würde uns der Schweiss ausbrechen.

Der nächste Eindruck ist dann, dass es überall kreucht und flattert, und das die überaus reichlichen grünen tropischen Pflanzen übersät sind mit Farbtupfern in allen Farben des Regenbogens.
Wir lassen uns Zeit und durchgehen die kleinen gewundenen Pfade, die sich durch diesen Mini-Dschungel schlängeln.
Oft müssen wir den Kopf zur Seite nehmen, damit uns die Blätter der tropischen Pflanzen nicht ins Gesicht springen.
Auf einer kleinen Holzbrücke überqueren wir die geschmackvoll einge- richteten kleinen Teiche, in denen sich ebenfalls die tropische Vegetation ausbreitet.

Aber das Schönste und Eindrucksvollste in diesem tropischen Garten sind die Hunderte von Schmetterlingen der verschiedensten Arten und Grössen und mit den wunderbarsten Zeichnungen auf ihren zarten Flügeln. Sie sind
einfach überall. Sie sitzen auf den Blättern der Pflanzen und bevölkern mit ihrem lieblichen Flug die tropische Luft.
Wenn man den Arm ausstreckt, so kann man damit rechnen, dass sich einer der bunten Falter einem auf den Arm setzt.

Nur anfassen ist natürlich strikt verboten, da es die Flügel der zarten Tiere zerstören und somit ihren vorzeitigen Tod bedeuten würde.
Im Untergeschoss der Anlage finden wir an den Wänden eine ständige Ausstellung von Informationen über die Entwicklung und das Leben der Schmetterlinge.
Ausserdem gibt es dort eine Non-Stop-Filmvorführung, natürlich ebenfalls zum Thema der Entstehung, der Entwicklung, des Lebens und der Geschichte der Schmetterlinge.

Wir sind im "Mariposario del Drago", im Schmetterlings-Park am Drachen- baum in Icod de los Vinos. In die deutsche Sprache würde man es ver- mutlich mit "Schmetterlings-Museum" übersetzen, aber diese Übersetzung trifft auf das Mariposario nur auf einen kleinen Teil zu.
Das Mariposario del Drago ist ein Zentrum der Ausstellung und Reproduktion von tropischen Schmetterlingen, dem ersten in Spanien, und eine der neuesten Attraktionen, die die Insel Teneriffa zu bieten hat.
In einer Publikumsinformation des Mariposario ist es folgendermassen ausgedrückt: "Der Mariposario del Drago ist ein tropischer Garten, in dem Hunderte von exotischen Schmetterlingen aus aller Welt in vollkommener Freiheit und in direktem Kontakt mit den Besuchern leben. Sie können alle Phasen ihres biologischen Zyklus (Ei, Raupe, Puppe) beobachten und die grössten und spektakulärsten Schmetterlinge der Welt fotografieren. "

Es ist wirklich so, dass Hunderte von Schmetterlingen aus den tropischen Zonen der Welt (Brasilien, Costa Rica, Indien, Malaysia, Philippinen, Australien, etc.) in vollständiger Freiheit in diesem Mini-Dschungel herumfliegen.
Die Leitung des Mariposario legt Wert auf die Feststellung, dass für diese Ausstellung selbstverständlich keine Schmetterlinge in der Natur gefangen werden, sondern dass all diese Arten in der Anlage gezüchtet werden, so dass es auch normal ist, dass sie an die Gegenwart von Menschen gewöhnt sind. Auf diese Weise ist es leicht, sie aus nächster Nähe zu beobachten und zu fotografieren.

Das vorher beschriebene tropische Klima ist natürlich künstlich erzeugt, um auf diese Weise die klimatischen Bedingungen der Herkunftsländer der Schmetterlinge zu erzeugen. So wird der Schmetterlings-Park stets auf einer Temperatur von 25 Grad Celsius mit einer Luftfeuchtigkeit von 80 % gehalten.

Im Laboratorium wird die Züchtung der Raupen vorgenommen, um stets genügend Schmetterlinge für die Ausstellung zur Verfügung zu haben.
In den Vitrinen zwischen dem Park und dem Laboratorium können die Besu- cher alle Phasen des biologischen Zyklus der bunten Falter beobachten: Vom Ei über die Raupe bis zur Puppe und dem Verlassen der Puppe, bis hin zur Geburt der eigentlichen Schmetterlinge, ein bewegendes Schauspiel, das sich stets in den frühen Morgenstunden ereignet.

Schade um diese schönen bunten Falter ist es, dass ihre durchschnittliche Lebenszeit und damit auch ihre überschäumende Schönheit nur etwa eine bis drei Wochen dauert.

Im übrigen sind die Schmetterlinge sehr genügsame Tiere. Sie ernähren sich hauptsächlich vom Nektar der Blumen. Ausserdem mögen sie es, an überreifen Früchten zu saugen. Auch der Saft mancher Bäume und tierische Ausscheidungen wie der Schweiss oder die Tränen bilden ihre Nahrung, da sie daraus mineralische Salze gewinnen.
Einige Arten von Nachtfaltern ernähren sich überhaupt nicht, so dass sie nicht mehr als drei bis sechs Tage leben.

Die Schmetterlinge sind Insekten, die mit etwa 250.000 bekannten Arten diejenige Tiergruppe auf der Welt bilden, die am zweitmeisten verschiedene Arten aufweist.
Es gibt etwa 15.000 Arten von Tages-Schmetterlingen und etwa 235.000 Arten von Nachtfaltern.
Auch bei den Schmetterlingen gibt es zwei Geschlechter, das männliche und das weibliche. Nach der Begattung, die durchschnittlich 24 Stunden dauert, legt das Weibchen zwischen 50 und 1000 Eiern.
Jede Schmetterlingsart hat eine eigene spezielle Pflanze, auf der sie ihre Eier ablegen muss. Es ist also die Aufgabe des Weibchens, diese Pflanze so schnell wie möglich zu finden, da sich die Raupen nur von dieser Pflanze ernähren können. Das Weibchen des Schmetterlings paart sich nur ein einziges Mal in seinem Leben.

Das Mariposario del Drago ist übrigens vollständig in privater Initiative entstanden und steht, wie bereits angeführt, direkt neben dem sogenannten tausendjährigen Drachenbaum in Icod de los Vinos. Die Anlage eröffnete im Juni 1997.

Eine ganz aktuelle und erfreuliche Nachricht für die Besitzer des Maripo- sario ist die Verleihung des internationalen Preises für Tourismus, Hostele rie und Gastronomie des Jahres 2000. Dieser Preis wird von der Verlags- gruppe Ofice in Zusammenarbeit mit dem Trade Leader´s Club mit dem Ziel verliehen, die bedeutendsten Firmen auf dem genannten Bereich für ihr Prestige, ihre Darstellung und die Qualität ihres Service auszuzeichnen.
Dieses Mal wird die Preisverleihung in Gegenwart von Unternehmern aus mehr als 40 Ländern und bedeutenden Spezialisten des Bereichs Tourismus und Restauration stattfinden.
Die Preisverleihung erfolgte am 26. Januar 2000 im Hotel Melía Castilla von Madrid, und sie fällt zusammen mit der Internationalen Tourismusmesse FITUR 2000.

Eine andere "Ehrung" erfuhr das Mariposario aus Icod am 6. November 1999 in der holländischen Stadt Zuidlaren. Dort wurde mit 2.472.480 Teilen der Europarekord im sogenannten Domino-Stein-Effekt gebrochen. Alle diese Domino-Steine warfen sich nacheinander neunzig Minuten lang einer nach dem anderen um. Diese Veranstaltung stand unter dem Leitthema "Europa ohne Grenzen" und die Domino-Steine zeigten charakteristische Bilder der fünfzehn Länder der Europäischen Union.

Das Mariposario del Drago wurde dabei als Repräsentant der Kanaren gewählt und die auf die Kanaren zutreffenden Domino-Steine bildeten beim Umfallen die Zeichnung eines Schmetterlings.
Dieses Ereignis wurde live von Fernsehstationen mehrerer europäischer Länder übertragen und der Rekord wurde ins Guiness-Buch der Rekorde aufgenommen. Der vorherige Rekord, der im Jahre 1998 erzielt wurde, kam auf 1.605.757 Domino-Steine.

Um noch einmal auf unseren Besuch im Mariposario zurückzukommen:
Ein Besuch, der sich lohnt und der eine uns neue und unbekannte Welt zeigt, mit Schmetterlingen in einer nie gekannten Grösse, Schönheit und Farbenvielfalt, die zudem so zutraulich sind, wie wir es sonst aus der freien Natur nicht gewohnt sind.
Fazit: Absolut einen Besuch wert.