Der Stern der Azteken
Seine roten Hochblätter leuchten in seiner Heimat Mittel- und Südamerika seit Jahrhunderten in jedem Dezember. Dort wächst er als riesiger Busch, wird bis zu vier Meter hoch. Vor erst vierzig Jahren kam er nach Europa. Dort bleibt er klein und handlich und trägt den Namen Weihnachtsstern.
Auch auf Teneriffa kann man diese wunderschöne Pflanze bewundern, auch hier wird sie bis zu vier Meter hoch.
Bereits vor der Entdeckung Amerikas schätzten die Azteken die von ihnen "Cuetlaxochitle" genannte Pflanze wegen ihrer brillanten Farben als ein Symbol der Reinheit, nutzten sie zur Farbgewinnung und als Mittel gegen Fieber.
Die erste Verbindung mit dem christlichen Weihnachtsfest stellten im 17. Jahrhundert mexikanische Franziskaner-Mönche her, die im Dezember die leuchtend roten Sterne wildwachsender Pflanzen pflückten. Sie verwendeten die leuchtenden Blätter als Schmuck für das Fest zu Ehren Christi Geburt.
Bis zum Einzug des neuen Weihnachtssymbols in europäischen Stuben vergingen jedoch noch rund 300 Jahre. Anfang des 19. Jahrhundert brachte Joel Poinsette, Plantagenbesitzer und erster amerikanischer Botschafter in Mexiko, die auffallende Pflanze in die Vereinigten Staaten und verteilte Stecklinge an Gärtner. Ihm zu Ehren erhielt sie den Namen Poinsettie.
Zunächst wurde sie fast ausschliesslich als Schnittblume gehandelt, war jedoch wenig haltbar. In den 20er Jahren dieses Jahrhunderts gelang es in den USA, bessere Sorten zu züchten. Besonders erfolgreich in der Züchtung war der Familienbetrieb des gebürtigen Magdeburgers Paul Ecke in Kalifornien, dessen erste besonders haltbare Sorte "Eckes White" als Stammutter der meisten heutigen Sorten gilt. 1955 kam der Weihnachtstern dann nach Europa - als eine seltene, nur für Wenige erschwingliche Kostbarkeit. Doch die Zeiten haben sich geändert. Dank neuer Züchtungen und verbesserter Gartenbau-Techniken kann sich heute jeder seinen Stern leisten.
In Europa stammen Jungpflanzen fast ausschliesslich aus spezialisierten Betrieben, in denen man ab etwa Anfang Mai Stecklinge von sorgfältig ausgewählten Mutterpflanzen schneidet. Früh vermehrte Pflanzen kommen als Schnitt-Poinsettien, Bäumchen oder Hochstämmchen, später an- angezogene als ein- bis mehrtriebige Topfpflanzen auf den Markt. Für Mini-Pflanzen genügt es, die Stecklinge im September zu bewurzeln.
Ob die Pflanzen in Mitteleuropa rechtzeitig bis Weihnachten blühen, hängt von der richtigen Kultur ab. Ihrer Heimat entsprechend brauchen sie recht hohe Temperaturen und viel Feuchtigkeit. Entscheidend ist jedoch das Licht. Erst eine Tageslänge unter 12 Stunden (etwa ab Oktober) für eine Dauer von 30 Tagen regt den Weihnachtsstern an, Blüten auszubilden. Sieben bis elf Wochen nach Kurztagebeginn, also gerade rechtzeitig zu Weihnachten, ist mit der Blüte zu rechnen. Allerdings nur dann, wenn die Dunkelphase durch keinerlei Licht - auch nicht durch entfernt stehende Strassenlaternen - aufgehellt wurde.
Nicht Blütenblätter sind es, die den leuchtenden Stern über grünem Laub bilden, sonder zu auffälligen Hochblättern, sogenannten Brakteen, umgebildete Laubblätter. In der Heimat der Poinsettie locken sie Kolibiris zu den im Zentrum des Hochblattkranzes stehenden, köpchenförmigen Miniaturblütenständen, die Botaniker nennen sie Cyathien.
Jedes Ciathium setzt sich aus einer weiblichen Blüte und fünf Gruppen von winzigen, männlichen Blüten zusammen, die nur aus je einem Staubblatt bestehen. Ausserdem sitzen an ihm noch ein oder zwei gelbe, klebrige Blätter, die reichlich zuckerhaltigen Nektar - die Leibspeise der Kolibris - absondern. Bei ihrem süssen Mahl bestäuben die Kolibris die Blüten.
An dem ungewöhnlichen Blütenbau und dem dickflüssigen Milchsaft, der bei Verletzung an Stengeln und Blättern austritt, erkannte Anfang des 19. Jahrhunderts der Direktor des Berliner Botanischen Gartens Willdenow die Zugehörigkeit der Pflanze zur Familie der Wolfsmilchgewächse. Er gab ihr den Namen Euphorbia pulcherrrima - ein wahres Kompliment für die Pflanze, denn wörtlich übersetzt heisst dies "schönste Wolfsmilch".
Der Milchsaft anderer Wolfsmilcharten kann übrigens für den Menschen sehr gefährlich werden, der des Weihnachtssterns ruft gewöhnlich höchstens harmlose Hautentzündungen oder Bläschen hervor. Trotzdem sollte lieber jeder unnötige Hautkontakt vermieden werden.
Weihnachtsstern-Liebhaber sind treu. Nicht nur, dass sie in Deutschland Jahr für Jahr in der Adventszeit rund 30 Millionen Exemplare dieses Weihnachtssymbols kaufen, um Tisch und Fensterbank damit zu schmü- cken, sie bevorzugen dabei das ganz klassiche Erscheinungsbild der Pflanze:
70 bis 80 % aller verkauften Pflanzen sind rot, wobei der Rotton variieren kann. Meist ist ein intensives, dunkles Rot, fast Scharlachrot gefragt. Dieselbe Erfahrung haben sowohl deutsche als auch holländische Weihnachtsstern-Produzenten gemacht.
Dabei kann sich das Farbangebot durchaus sehen lassen. Es reicht von Schneeweiss über ein helles Gelb, Lachs und Rosa bis hin zum auffallenden Pink. Solche modernen Farben, die es jedoch schon seit einigen Jahren gibt, werden vor allem zu Beginn der Weihnachts-Saison ab November gekauft. Nähert sich das Fest, wird es in den Blumengeschäften rot.
Auch bei den Wuchsformen geht es in Mitteleuropa klassisch zu. Besonders beliebt sind nach wie vor die buschig-wachsenden Pflanze, wobei Gärtner und Kunden Wert auf Qualität legen. Mindestens fünf Triebe sollte eine Pflanze haben, kräftig gewachsen sein soll sie, üppig aussehen und natürlich lange halten.
Wer etwas Besonderes liebt, kann zu Hochstämmchen und sogar zu Ampelpflanzen greifen, die zwar nicht ganz preiswert, bei Liebhabern aber gefragt sind. Minis dagegen werden zwar nach wie vor produziert, jedoch höchstens als kleines Mitbringsel gekauft.
Doch egal, für welche Farbe, für welchen Wuchs Sie sich entscheiden: Achten Sie nicht nur auf die farbigen Hochblätter, sondern auch auf die Blüten in der Mitte. Sind sie bereits abgeblüht oder gar abgefallen, halten oft auch die Hochblätter nicht mehr lange. Besonders gut gedeihen Weihnachtssterne an einem hellen Platz. Zwar vertragen sie auch Schatten, doch vergilben die Blätter dann oft vorzeitig. Die ideale Temperatur liegt während der Blüte um 20 Grad. Also ist das Teneriffa-Wetter im "Winter" das ideale.
Wenn die Blätter hängen, haben Sie wahrscheinlich zu wenig gegossen. Im Wohnzimmer braucht der Stern reichlich Wasser besonders in Mittel- und Nordeuropa, wo die Heizungsluft Trockenheit schafft.
Sind die Hochblätter abgefallen, werden die Triebe um die Hälfte zurückgeschnitten. An einem nicht zu dunklen Platz, in Mitteleuropa im Sommer auch im Freien, wächst der Weihnachtsstern zur üppigen Blattpflanze heran. Ein Schmuckstück, das sich sehen lassen kann, auch wenn es mit einer zweiten Blüte im Folgejahr nicht klappen sollte, letzteres gilt natürlich auch nur für Mitteleuropa.
Wer es dort versuchen will, ihn erneut blühen zu lassen, muss mit seinem Weihnachtsstern ab Ende September acht Wochen lang täglich 14 Stunden Dunkelheit garantieren. Da selbst die Strassenlaterne vor dem Fenster oder das Licht des Fernsehapparates zuviel sein kann, stülpen Sie sicherheitshalber von abends 18 Uhr bis 8 Uhr morgens einen dunklen Eimer oder Karton über die Pflanze.
Sie können es natürlich auch sehr viel einfacher haben: Verbringen Sie einfach Ihren Urlaub im Orotavatal auf Teneriffa. Hier brauchen Sie keine gärtnerischen Mühen und Tricks. Hier bietet Ihnen die Natur in jedem Jahr um die Weihnachtszeit herum Tausende von wunderschönen Weihnachtssternen.