Teneriffa - ein eigener Kontinent im Kleinen
Da laust mich doch der Affe: Ich bin auf Teneriffa ! Und da steht mir plötzlich ein riesiger Gorilla gegenüber - lässig auf einen Felsen gelehnt und gedankenverloren in die Ferne schauend. Woran er wohl denkt ? - Momente später dreht er sich um und schaut mir mit seinen klugen Augen direkt in die meinen.
Mit total ruhiger Gelassenheit schaut er mich durchdringend an - und spätestens, wenn Dir so etwas passiert, weisst Du, dass es völliger Unsinn ist, wenn Menschen immer noch in ihrem mittelalterlichen Grössenwahn behaupten, Tiere könnten nicht denken, nur weil diese Leute gern den Menschen als Mittelpunkt des Universums sehen möchten. - Der Gorilla bleibt gelassen, er ist schliesslich längst nicht so mordsüchtig wie wir Menschen untereinander, und ich wende mich nach einiger Zeit von diesen hypnothischen Augen ab. Er lässt mich in Frieden ziehen.
Doch weit komme ich nicht, da steht mir ein stattlicher Tiger gegenüber. Nun wird es mir doch ein wenig mulmig in der Magengegend. Denn auch der Tiger ist völlig ruhig und gelassen, doch sein Blick nicht so sehr. Mit lauernden Augen und ganz leicht geöffneter Schnauze verfolgt er jede meiner Bewegungen - auch die kleinste! Vielleicht ist es doch das Beste, ich gehe ohne jede hektische Bewegung ganz langsam, und natürlich ohne ihn auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen aus seiner Reichweite weg ? Weiterhin mich genauestens kontrollierend lässt der Tiger zu, dass ich von ihm entferne. Ich bin ihm dankbar dafür.
An der nächsten Wegbiegung dann eine neue Überraschung: Ebenfalls ganz lässig und zufrieden schnurrend liegt dort ein geflecktes Etwas im Gras. Eine zu gross geratene Hauskatze ? Nein, weit gefehlt: Der "kleine Bruder" des Tigers, ein wunderschöner stattlicher Leopard. Doch der scheint an mir kein grosses Interesse zu haben. Er hebt nur kurz den Kopf, um zu sehen wer ihn da in seinem Mittagsschlaf stört, dann fährt er mit seiner Siesta fort - und ich mache mich auf leisen Sohlen davon, denn ich habe keinerlei Ambitionen, ihn richtig wach zu machen. Denn es ist klar, wer von uns beiden den Kürzeren ziehen würde, falls wir zu diskutieren beginnen.
Nach kurzen Augenblicken komme ich an eine Waldlichtung. Ein Bild entspannter und freundlicher Geselligkeit tut sich vor mir auf. Mehrere Papageien der unterschiedlichsten Arten sitzen gemütlich auf einem Baumstumpf und halten dort in aller Ruhe einen Mittagsplausch. Eine freundliche Geselligkeit, die ansteckt.
Neben dieser Waldwiese liegt ein See. Als ich diesen erreiche, steigert sich das freundliche Gefühl, das in der Luft liegt, noch mehr. Denn ein leibhaftiger bildhübscher Delphin lächelt mich mit einer tadellosen Zahnreihe an. Wir unterhalten uns eine Weile - er lässt mich stets ausreden, dann verabschieden wir uns und ich wende mich um. Ein äusserst symphatischer Bursche, dieser Delphin. . . . .
Nur kurze Zeit später ist es vorbei mit meiner fröhlichen Frühsommer-Laune. Nichts Böses ahnend betrete ich einen kühlen Tunnel, als urplötzlich aus dem leichten Dämmerlicht ein gefährlicher Hai mit seinem weit aufgerissenen Maul auf mich zuschiesst. Die mörderischen und mit fürchterlichen Widerhaken versehenen riesigen Zähne befinden sich bereits direkt vor meinem Gesicht. Nur noch einen winzigen Augenblick kann es dauern und dann wird es ewige Nacht werden . . . . . .
Ich erschauere, trotz der warmen Frühjahrs-Sonne läuft mir etwas Eiskaltes den Rücken hinunter - und ich erwache aus meinem frühsommerlichen Day-Dream vom Loro Parque . . . . . . .
Wenn Sie, liebe Leser, nicht nur von einem wunderschönen Park und einer einmaligen und supergepflegten Tierwelt träumen, sondern sie wirklich "er-leben" wollen, im sprichwörtlichsten Sinne des Wortes, so kann es für Sie nur ein Ziel geben:
Den Loro Parque von Puerto de la Cruz
im Norden Teneriffas !!!
Mit ihrem Klima und einer phantastischen Landschaft mit dem höchsten Berg Spaniens zieht die Kanareninsel Teneriffa jährlich Millionen Urlauber in ihren Bann. Als einzigartige Attraktion erwartet sie dort zugleich ein von Menschenhand geschaffenes Naturparadies mit Papageien, Seelöwen, Delphinen, Pinguinen, Gorillas, Schimpansen, Jaguaren, Tigern, Alligatoren, Haien und vielen anderen Tieren sowie Pflanzen, die den Besuch zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden lässt.
Der LORO PARQUE in Puerto de la Cruz mit der größten Papageiensammlung der Welt, einem untertunnelten Aquarium, dem Planet Pinguin, einem Exhibit mit über 200 antarktischen und subtropischen Pinguinen, Vorstellungen mit Delphinen, Papageien oder Seelöwen und artgerechten Freigehegen gehört somit neben dem Nationalpark Las Cañadas mit dem Teide auf Teneriffa und dem Timanfaya-Nationalpark auf Lanzarote zu den herausragendsten Touristenmagneten, die die Kanaren zu bieten haben. Seit seiner Eröffnung im Jahre 1972 zählte der ganzjährig geöffnete Park bereits mehr als 19 Millionen Besucher, und er ist seither mit 135.000 m2 zehnmal grösser geworden.
Besondere und weltweit anerkannte Verdienste hat sich der Begründer des LORO PARQUE, Wolfgang Kiessling, mit der 300 Arten und Unterarten, knapp 3.000 Exemplare, umfassenden einzigartigen Kollektion von Papageien erworben. Etwa 700 davon sind ständig im Park zu sehen, der Rest ist in Zuchtstationen untergebracht. Im Jahre 1994 war die Sammlung der LORO PARQUE-Stiftung übereignet worden. Diese hat sich zur Aufgabe gemacht, Naturschutz- und Forschungsprojekte in den Herkunftsländern der vom Aussterben äußerst gefährdeten Tiere zu unterstützen, und sie bemüht sich zugleich, mit den im Park geschlüpften Vögeln Reservepopulationen aufzubauen, die später für Wiederansiedlungsprojekte zur Verfügung stehen. Die Stiftung beteiligt sich an 18 Erhaltungszuchtprogrammen (EEP) für verschiedene Papageienarten und hat dabei für die Pracht-Amazone und den Blaulatzara sogar die verantwortliche Koordination übernommen.
Eddi Joemann, als Leiter der Schutzgemeinschaft Teneriffa auch Herausgeber des Teneriffa Journal, stellte Wolfgang Kiessling, dem Initiator und Besitzer des Loro Parque in einem Exclusiv-Interview die folgenden Fragen, die der Loro-Parque-Chef gern und engagiert beantwortete:
E.J.: Herr Kiessling, hatten Sie in Ihrer Kindheit zuhause auch Tiere und waren Sie schon immer Tierfreund ?
W.K.: Na klar, alles, von Hasen über Hühner, Mäuse, Hunde und alles, was es so gibt. Ich hab schon immer eine gute enge Beziehung zu Tieren gehabt.
E.J.: Woher stammen Sie ?
W.K.: Geboren bin ich in Thüringen. Aber wir sind 1948 ins Rheinland gezogen, und daher kommt heute mein Hang zu Köln.
E.J.: Was war ursprünglich Ihr Beruf ?
W.K.: Bevor ich hierher kam war ich in der Flugbranche tätig, Direktor einer Charter Air-Line, davor Direktor einer anderen Gesellschaft. Was meine Ausbildung anbelangt: Ich bin in Salem zur Schule gegangen, war kein exzellenter Schüler, bin dann von der Schule weg und hab die kaufmännische Lehre gemacht. Die hab ich dann schon wieder mit exzellenten Resultaten bestanden. Dann bin ich ins Ausland gegangen. Ich hab mehrere Jahre in Kanada gelebt, auch in England und in der Schweiz und 9 Jahre in Belgien, und jetzt bin ich hier auf Teneriffa.
E.J.: Wann waren Sie das erste Mal auf Teneriffa und wieso sind Sie gerade hier sesshaft geworden?
W.K.: Ich war zunächst auf Gran Canaria und Lanzarote. Etwa 1970 war ich das erste Mal auf Teneriffa und dann innerhalb von 2 Jahren bestimmt zehnmal. Die Schönheit Teneriffas hat mich begeistert und seit 1972 leben wir hier fest.
E.J.: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Loro Parque einzurichten ?
W.K.: Wir flogen mit der Fluggesellschaft seinerzeit an den Wochenenden Kapitalanleger auf die Kanarischen Inseln. Damals gab es für die Beteiligung an Fluggesellschaften Sonderabschreibungsmöglichkeiten. Als diese Steuerabschreibungsmodelle abgeschafft wurden, war abzusehen, dass dieses Geschäft bald nicht mehr laufen würde.
Und in Puerto de la Cruz war mit aufgefallen, dass überall gebaut und gewirkt wurde, aber das etwas fehlte, was die Menschen tun konnten, wenn sie nicht am Schwimmbad lagen. Und da wollte ich etwas machen. Und da ich eine gute Beziehung zu Tieren hatte, habe ich mir gesagt, dann machst du etwas mit Tieren. Ausserdem war das auch eine Frage der Finanzen. Ich hatte kein Geld um ein Hotel zu bauen. Ich musste also etwas bauen was Geld brachte und bescheidener war. Und so kam ich auf die Idee einen Safaripark zu bauen. Aber für einen Safaripark brauchte ich vielleicht 20 oder 30 Hektar Land und ich brauchte wahnsinnig viele Tiere, grosse Tiere, die viel fressen und und und . . . .
Da habe ich mich mit meinem Vater unterhalten und er sagte:"Junge, denk daran, wir waren einmal in Amerika und haben da einen Papageienpark gesehen. Die Tiere werden 100 Jahre alt und fressen nur eine Handvoll Körner". Und jetzt wissen Sie, wie diese Idee geboren wurde. Und das hat mir gefallen, dann habe ich hier dieses kleine Grundstück kaufen können. 13.000 Quadratmeter, und mit dem haben wir angefangen. Im ersten Jahr kamen 90.000 Besucher, im zweiten Jahr 160.000, im dritten Jahr 250.000 und so ging das hoch. Das war 1973, weil wir haben am 27.12.1972 aufgemacht. Also Einlass für´s Publikum am 18.12.1972.
E.J.: Haben Sie nicht manchmal in einem Interessenkonflikt gestanden zwischen dem Tierfreund und den geschäftlichen Notwendigkeiten ?
W.K.: Hören Sie mal, ganz im Gegenteil, das ist eine Aufgabe. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, das ich für meine Tiere all das tue, was menschenmöglich ist oder was in meiner Hand ist, dann würde ich jetzt sagen, Sie haben recht mit Ihrer Frage. Es täte mir leid, wenn ich ein Tier unter schlechten Umständen halten müsste. Aber wir sind ja nicht umsonst ausgezeichnet worden, auch von der spanischen Regierung, gerade deswegen, weil wir eben ein Zoo der besonderen Klasse sind. Sicher haben wir auch heute hin und wieder mal die eine oder andere Reklamation, weil Leute etwas falsch verstehen, falsch sehen, nach unserer Meinung, oder sie möchten am liebsten alles frei lassen. Sie haben ja die Sache gehört, die kürzlich passiert ist mit den Nerzen im Gebiet der Alpen / Voralpen. Da hat man also auf einer Nerzfarm alle Tiere rausgelassen und jetzt hat man da den grössten Umweltskandal 3 oder 4 Jahre später, weil eben die Tiere alles, was sich in der freien Natur bewegt und das nicht auf diese Feinde eingestellt ist kaputt machen, und da sind die Vogelbestände sehr bedroht und und und. . . . . Ich glaube, wenn diese Leute unsere Anlagen kennen würden, auch die ausserhalb des Parkes liegen, wie unsere Zuchtanlagen usw., dann werden sie davon überzeugt sein, das hier vom Loro Parque alles menschenmögliche getan wird, damit die Tiere in unserer Obhut so gut leben wie es eben nur möglich ist. Noch eine Anmerkung: Ich bin ein gläubiger Mensch und ich denke, wenn ich eines Tages vor meinem Herrn stehe und der mich fragen wird "Was hast du getan?" Dann werde ich ihm nicht erzählen können, "Ich habe da unten einen tollen Park aufgemacht", ohne dass er mich auf meine Tiere ansprechen wird und dann werde ich ihm sagen können, dass ich das möglichst Gute getan haben, um sie in menschlicher Obhut möglichst gut zu halten. Vielleicht wird er mich dann oben in einen Käfig stecken, und wenn dem so ist, dann würde ich mich freuen, wenn der Käfig so ist wie meine Tiere die Gehege hier im Loro Parque haben.
E.J.: Nun, vielleicht sehen wir uns dort oben und werden feststellen, was daraus geworden ist.
W.K.: Sie meinen, Sie kommen da hoch ?
E.J.: Ich hoffe, zumindest mal zu Besuch . . . .
E.J.: Was machen Sie hier im Loro Parque, wenn Sie noch einmal erweitern wollen ? Das Gelände ist ja begrenzt.
W.K.: Wenn Sie das Gelände hätten, was ich hier in Reserve habe, könnten Sie sich ein ganz schönes Grundstück dahinsetzen. Ich denke, das wir hier noch so um die 20.000 Quadratmeter liegen haben. Und das hier direkt am Park. Wir sind schon am Planen.
E.J.: Was hat Sie daran gereizt, so ein Prestige-Objekt wie das Hotel Botanico zu kaufen ? Ist das so ein interessantes Geschäft ?
W.K.: Das ist ein hartes Geschäft und da gibt es durchaus Geschäfte, die interessanter sind. Ich glaube nicht, das mich das Hotelgeschäft gereizt hat. Ich sass einmal mit dem Kontaktmanager eines grossen deutschen Reiseveranstalters zusammen. Und der sagte zu mir "Sie haben sowieso alles falsch gemacht. Puerto de la Cruz liegt im Sterben, alle Hotels werden verkauft, die einen Ruf und Namen haben", und zählte mir dann so die Hotels auf, darunter das Hotel Botanico. Und als er beim Hotel Botanico ankam, da habe ich mir gedacht, mein Gott, das ist wahr, wenn dieses Hotel jetzt weggeht und geht in eine Gruppe hinein, dann bleibt es wie es ist, es wird nur überpinselt, ein bisschen fertig gemacht, dann geht es 2 Sterne nach unten und dann haben wir kein Hotel mehr, was den Ort nach oben bringen kann. Und daraus resultierte damals der Entschluss zu sagen, dann engagieren wir uns vom Loro Parque, und haben das gemacht und wie Sie sehen, haben wir das nicht schlecht gemacht. Wenn wir jetzt aber vom Geschäft reden, also da gibt es traumhaftere.
E.J.: Was wird auf dem Gelände im Süden Teneriffas entstehen, das der Loro Parque vor kurzem gekauft hat ?
W.K.: Im Moment geben wir darüber noch keine Auskünfte. Es wird ein Themenpark sein und wir wissen eigentlich bis jetzt selber noch nicht was genau, weil das kam jetzt alles ein bisschen schnell. Wir werden erst in den nächsten Monaten mit der Planung für dieses Gelände beginnen. Was ich Ihnen aber schon heute sagen kann: Das wird ein Unternehmen mit höchsten Qualitätsvorstellungen und dann wird auch der Süden hundertprozentig den Park haben, den er will und den er braucht.
E.J.: Herr Kiessling, Sie sind ein überaus erfolgreicher und angesehener Mann. Sie haben sehr viel für Puerto de la Cruz und die Insel Teneriffa geleistet und geschaffen, und Sie sind als sehr aktiver Mensch bekannt. Wann wird ein Wolfgang Kiessling einmal ruhiger ?
W.K.: Der ist ruhiger geworden, sehen Sie mal, wie ruhig ich hier sitze.
Geschäftlich ? Das weiss ich nicht, ich denke das ist eine Frage des Überganges. Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir beide älter werden, das heisst ich, aber auch mein Direktor. Er ist 70 und ich bin jetzt 63 und wir sind dabei, die ganze Mannschaft neu aufzupolieren. Aber jede Woche oder jeden Monat kommt irgendjemand Neues dazu, meistens halten sie es aber kaum mal 4 Wochen aus, dann ist ihnen das Tempo doch zu rasant, und dann finden sie irgendwelche Entschuldigungen, ob sie klimatischer Natur sind oder was auch immer - ja, natürlich sind wir schon viel ruhiger geworden, das war mal noch rasanter.
E.J.: Welche Tiere leben mit Ihnen in Ihrem Hause ?
W.K.: In meinem Haus Oskar und Big Mac und dann habe ich noch zwei Kanarienvögel.
Wir haben Oskar und Big Mac kennengelernt: Zwei sehr freundliche Hunde, die in diesem Natur- und Tierparadies des Loro Parque, in dem der Chef des Parks auch privat lebt, überaus freundlich und gelassen jeden Besuch dieses abgetrennten Teils begrüssen. Die Ruhe und Gelassenheit der beiden Hunde zeigt an, was ihr Herrchen ist: Ein Tierfreund.