Die kanarische Pflanzenwelt ! Einmalig !
Teneriffa hat für jeden etwas - neben der schillernden und glitzernden Touristenwelt mit ihren Attraktionen und Restaurants auch ländliche Strassen und Forstwege zum Bummeln und Wandern, Berge zum Ersteigen und Strände - und jede Menge Überraschungen für den Botanik-Freund.
Die Flora auf den Kanarischen Inseln ist in zweierlei Hinsicht einzigartig. Einerseits kommen in einem relativ begrenzten Gebiet Pflanzen vor, die fast allen Vegetationszonen der Erde angehören, andererseits ist der hohe Prozentsatz endemischer Arten (nur hier vorkommende Pflanzen) auffallend.
Insgesamt umfasst die Kanarische Flora fast 2.000 Arten, von denen gut 30 % endemisch sind. Man fand im Mittelmeerraum, im Alpengebiet und in Südrussland zahlreiche Fossilien (Früchte und Blätter), die beweisen, dass Pflanzen, die heute nur auf den Kanaren wachsen, einst auch in diesen Gebieten verbreitet waren. Die Klimakatastrophen des ausgehenden Tertiärs (Beginn der Eiszeit, Austrocknung der Sahara) verdrängten die subtropische Flora aus ihrem bisherigen Lebensraum. Die isolierte Lage der Kanarischen Inseln liess sie hier jedoch überleben. Zudem ermöglichten die beträchtlichen Höhenunterschiede der Inseln den Pflanzen, sich durch Höhenmigration den wechselnden klimatischen Bedingungen anzupassen.
Insgesamt zählt man 178 Arten und Unterarten als Teneriffa-Endemiten (die also nur auf Teneriffa vorkommen) und 212 weitere Arten als Kanaren-Endemiten, die nur auf Teneriffa und den Kanarischen Inseln vorkommen.
Da auf Teneriffa insgesamt 1.423 Pflanzen-Arten und -Unterarten heimisch sind, bilden also die 178 Teneriffa-Endemiten und 212 Kanaren-Endemiten einen Anteil von 27 %, oder in anderen Worten: Über ein Viertel aller auf Teneriffa heimischen Pflanzen sind lokale Differenzie- rungen, die ausschliesslich auf Teneriffa und den Kanaren vorkommen: Ein unglaublich hoher Anteil !
Entscheidend für das Vorkommen verschiedener Vegetationszonen auf den Kanaren sind sowohl die Höhenstufung als auch der Einfluss des Passats. Die unterste Stufe ist wüstenhaft trocken. Neben Sukkulenten, wie den Säuleneuphorbien, kommt in diesem Bereich die Kanarische Dattelpalme vor. Die Zone reicht im Süden der Inseln bis in Höhen von 1000 mtr. hinauf, im Norden ist sie dagegen auf den Küstenbereich beschränkt. Hier umfasst die natürliche Vegetation zwischen 200 und 600 mtr. Wachol- dergewächse und den Drachenbaum, ab 600 mtr. folgen Lorbeerbäume. An die immergrüne Laubwaldzone grenzt in 1.100 mtr. Höhe die Fayal-Brezal-Formation (Fayal = Gagelstrauch, Brezo = Baumheide). Bis zu 15 mtr. hoch wird die Baumheide, mitunter ist sie jedoch nur als Strauch oder Zwergstrauch ausgebildet. Zusammen mit der Lorbeerwaldregion wird die Fayal-Brezal-Formation auch als "Monte Verde" (grüner Berg) bezeichnet. In der Nordhälfte der westlichen Kanaren beginnt ab 1.500 mtr. die Kiefernwaldzone, in der Südhälfte wächst die Kanarische Kiefer bereits ab 1.000 mtr. Im Inselnorden und -süden endet diese Zone bei 2.000 mtr., die Höhenstufe zwischen 2.000 und 2.700 mtr. nimmt die Hochgebirgs-Formation des Retama (=Teide-Ginster) und Codesco (niedriger Strauch mit gelben Blüten) ein. Daran schliesst die artenarme Violeta (=Veilchen)-Formation. Hier findet man mit etwas Glück das von Humboldt entdeckte Teide-Veilchen (Blütezeit: Mai/Juni).
Die auffallendste und charakteristischste Pflanze der Kanarischen Inseln ist der Drachenbaum (Dracaena draco) auf spanisch: Drago. Er gehört zu der Gattung der Liliengewächse und ist mit seinem hohen Stamm und der gabelig verzweigten Krone ein naher Verwandter der Yukka-Arten. Manche Exemplare werden bis zu 20 mtr. hoch. Die Zweig-Enden des Drachenbaumes sind jeweils durch ein Büschel langer schwertförmiger dunkelgrüner Blätter abgeschlossen. Da der Drachenbaum bis zu seiner ersten Blüte unverzweigt wächst, haben die jungen Bäume mit den alten, wie beispielsweise dem mächtigen Baum von Icod, kaum Ähnlichkeit. Drachenbäume besitzen keine Jahresringe. Man kann das Alter nur nach der Anzahl der Verästelungen bestimmen, die allerdings in unregel- mässigen Zeitabständen erfolgen. Für die Urbewohner der Kanarischen Inseln hatte der Drachenbaum eine besondere Bedeutung. Sie verwendeten das aus dem Stamm quellende und sich an der Luft rot färbende Harz, das "Drachenblut", als Bestandteil ihrer Heilsalben.
Die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) hat sich von den Kanarischen Inseln über den gesamten Mittel- meerraum verbreitet. Eng verwandt ist sie mit der nordafrikanisch-arabischen Dattelpalme, ihr Stamm ist jedoch gedrungener und sie trägt eine dekorativere und vollere Krone mit grösseren, üppigeren Wedeln. Die kleinen Früchte dieser Palmenart sind holzig und nicht essbar. Auf Teneriffa ist die Kanarische Dattelpalme ein geschätzter Park- und Strassenbaum, grosse Palmenhaine findet man vor allem auf Gomera.
Das Landschaftsbild auf Teneriffa und auch auf El Hierro und La Palma wird entscheidend durch die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) geprägt. Ihre langen, biegsamen Nadeln sind immer zu dritt gebüschelt. Das harte rötliche Kernholz dieser Kiefernart (span.=tea) wurde und wird für Holzdecken und Balkone viel verwendet. Die in Höhen von 1.000 bis 2.000 mtr. wachsenden Kiefern sind in der Lage, aus den Passatwolken das Wasser zu kondensieren.
Ein typischer Vertreter der Sukkulentenformation ist der Feigenkaktus oder Opuntie (Opuntia ficus indica). Er wurde im 16. Jh. auf den Kanaren eingeführt. Bis in mittlere Höhen hinauf bedeckt er vielfach die Hänge der Inseln. Seine Früchte sind essbar und werden zum Verkauf angeboten. auf den Feigenkakteen wird die Cochenille-Schildlaus gezüchtet, aus der ein roter Farbstoff gewonnen wird.
Neben den Feigenkaktus und einigen Agavenarten brachten die spanischen Eroberer etliche üppig blühende Zierpflanzen auf die Inseln. In Parkanlagen und Gärten sieht man heute überall Oleander, Hibiskus und natürlich Bouganvillas. In den Wintermonaten sind die roten Weihnachtssterne aus dem Landschaftsbild von Nordteneriffa nicht wegzudenken. Die dichten Büsche werden 3 bis 4 mtr. hoch. Besonders exotisch wirken die Papageienblumen oder Strelitzien mit ihren eigenartigen Blütenständen.
Auch die wunderschönen Tajinasten zählen zu den spektakulärsten endemischen Pflanzen der Kanaren.
Naturgemäss kann ein solcher Artikel wie dieser nur einen kleinen Einblick geben. Natur muss man erleben, man muss zu ihr und in sie gehen !
Und dazu bietet das einzigartige Klima Teneriffas die besten Voraussetzungen !