Sommerzeit - Fiestazeit
Romerias und andere Feste

Der Frühling und der Sommer sind - wie könnte es auch anders sein - die Jahreszeiten, in denen die meisten Feste auf Teneriffa stattfinden. Zwei der berühmtesten Feste der Insel finden in Teneriffas flächenmässig grösster Gemeinde statt: Fronleichnam (8 Tage nach dem eigentlichen Fronleichnamsfest) mit den berühmten Blumen- und Sandteppichen, und direkt am Wochenende danach die Romeria (Umzug, Volksfest) von San Isidro, die "Königin" der Romerias auf Teneriffa.

Der Canario Domingo Hernandez Perera schwärmt:
Fronleichnam von La Orotava
Die Zeit bringt uns mit ihrem unveränderlichen Rhythmus das Echo vergangener Erinnerungen. Erneut wird der so erwartete Tag kommen und das Wunder geschieht erneut: das der Rosen, die die Einwohner von La Orotava mit spezieller Sorgfalt pflegen. Denn bei Ankunft des jährlichen Treffens verwandelt sich die Rose in lebendes Fleisch, das erhabene Symbol des Festes. So geht es Jahr um Jahr, seit 1847 . . Dieses grosse eindrucksvolle Fest, das Fronleichnamsfest von La Orotava, verdankt seine Berühmtheit und Prestige der Anfertigung der Blumenteppiche, einer singulären und delikaten Kunst, die jedes Jahr zahlreiche Besucher anzieht.

Es wurde als herrliche und originelle Widmung zum Heiligen Abendmahl geboren. Und so bilden jedes Jahr die Blütenblätter, die gekonnt über einem Untergrund aus Sand vom Teide ausgelegt sind, die Phantasieteppiche von überwältigender Schönheit, zum Erstaunen aller die sie betrachten. Und diese Teppiche vollenden sich in einer authentischen Farbensymphonie. Und diese Teppiche verwandeln sich im Lauf der Zeit in Kollektivarbeit aller Orotava-Bewohner und beredten Ausdruck ihrer hohen Geistlichkeit.

Jahr und Jahr verlief das Fronleichnamsfest über Wege von wahrhaftigem Übertreffen, wobei die Künstler von La Orotava ihre ganze Liebe und ihren Eifer einsetzen, sich einer variierten und reichen Inspiration befleissigend, was durch die herrlichen Zeichnungen, Arabesken, Girlanden, Darstellungen aus biblischen Szenen patentiert wird, über deren religiöse Thematik die überraschenden Teppiche informieren. Sie führen ihre künstlerische Arbeit mit der eigenen Bescheidenheit derjenigen aus, die ihre Opfergabe dem König aller Welten widmen, der triumphierend seine Majestät und Glorie im phantastischen Garten spazieren führt, der sich zu den Füssen von La Orotava ausbreitet. Und dieser Triumph ist auch eine lebhafte Beteiligung des Ortes, denn in dieser innigen Ehrung schmelzen aller Herzen, alle Parfüms, dieser Christus der vorbeizieht, alle Blumen, die die Bewohner von La Orotava so herrlich auf dem Wege ausbreiten. Erhabener Triumph von La Orotava, das an diesem Tag die schönste Symphonie komponiert, die schönste Liebespoesie, die feinste und delikateste Opfergabe der Anbetung. Ein Triumph, der La Orotava in einer gigantischen Hymne bersten lässt, Explosion des Glaubens und der Kunst, erhabene Symbole der gewaltigen Festlichkeiten. In das feine Band einer uralten Tradition eingefasst, hat das Fronleichnamsfest in La Orotava das volle Prestige der grossen Verwirklichungen. Die künstlerischen Teppiche, die jedes Jahr den Weg der Prozession säumen, sind zusammenfassend der prunkvollste, schönste und emotionellste Ausdruck der Religiosität eines Volkes.

Die eigene Note der Wallfahrt von San Isidro
Das Fest des San Isidro Labrador von La Orotava ist ein beredter, beschwörender und getreuer Ausdruck der eigenen Note dieser Erde, eine reiche und variierte Aussage der Volksseele von La Orotava.
Aber wo sich diese eigene Note im höchsten Ausdruck zeigt, ist in der berühmten Romeria mit allen ihren Gewohnheiten und Traditionen der Bauern. Hier treffen sich jährlich Tausende von Personen, geschmückt mit ihren typischen Trachten.
Die Romeria de San Isidro Labrador zeigt ein reiches Bild an Bräuchen, worin zahlreiche Volks- und Bauerntraditionen passen. Das ganze Feld vibriert bei der farbenprächtigen Romeria.
Beim Umzug mit den Heiligen San Isidro und Santa Maria de la Cabeza, der wegen seiner Schönheit und Farbenpracht jedes Jahr viele Tausende von Besuchern anzieht, gibt es eine sehr variierte Skala von folklorischen Bekundungen und Bräuchen.
Der Umzug beginnt mit den angeschirrten Reittieren für den typischen Gebrauch. Die zweirädrigen Karren, die mit Blumen und ländlichen Motiven geschmückt sind und von Ochsengespannen gezogen werden, füllen die Strassen mit ihrem puren Geruch nach Landluft. Die prächtigen Karossen reproduzieren die diversesten Elemente der Landwirtschaft von La Orotava: die Hütte, der Weinkeller, die Tenne, der antike Webstuhl, die Mühle, das einfache Bauernhaus, mit dem typischen Dach, wo nicht die typischen Balkons mit Blumentöpfen geschmückt fehlen, die traditionellen Stangen für die Feldbestellung, mit vielfarbigen Bändern und Ähren geschmückt.
Der starke Wein dieser Erde läuft aus den Fässern. Das typische, schmackhafte und nahrungsreiche Essen fehlt nicht. Hervorzuheben hierbei ist der Gofio, aus Weizenmehl oder geröstetem Mais hergestellt, der während Jahrhunderten die basische Nahrung der Bauern war, mariniertes Schweinefleisch und Kaninchen in "salmorejo", der gesalzene Zackenbarsch, mit roter Sosse oder grüner Koreander-Sosse gewürzt, mit der Beigabe von "papas arrugadas" (Art Pellkartoffeln), die mit der Schale gekocht sind und köstliche Früchte dieser Erde sind …..
An der Köstlichkeit dieser Speisen nimmt auch das Publikum teil, denn von den Karossen werden die Weinstiefel, die papas arrugadas und das marinierte Fleisch ausgetauscht. Denn an der Romeria de San Isidro von La Orotava mit ihrer Freude und den appetitlichen Festdüften nehmen alle teil.
Und zwischen der einen und anderen Karosse das fröhliche und lärmende Bummeln, wo zum Klang der Gitarren und "timplillos" sich die alten Lieder und Kehrreime in die Lüfte erheben: "Islas, Folías, Tajarastes, Malagueñas, Seguidillas"………… während Gruppen von jungen Leuten geschmückt mit ihrer typischen Tracht die zarten Arabesken der typischen Tänze zeigen. Alles vereint sich in der Kanarischen Volksmusik, die aus der Romeria ein Fest der Emotion und der Gefühle macht, einen der folklorischen und beeindruckendsten Umzüge des kanarischen Archipels, ein Fest, das zusammen mit dem Fronleichnam wirklich verdient den Ehrentitel eines "Festes von nationalem touristischen Interesse" erhalten hat".

In diesem Jahr können Sie die vollendeten Blumenteppiche am Mittwochabend und -nacht, den 9. Juni bewundern. Am Donnerstagabend werden diese durch die kirchliche Prozession zerstört.
Freitagnacht findert dann der Baile de Magos statt, und am Sonntag, den 13. Juni, die grosse Romeria de San Isidro.

Ein weiteres wichtiges Fest in La Orotava ist die berühmte Kunsthandwerksmesse in Pinolere, die dieses Jahr vom 3. bis 5. September stattfinden wird und zu der Zehntausende von Besuchern zusammenströmen werden.

Aber auch in fast allen anderen Orten Teneriffas gibt es Fiestas, hier nur einige Beispiele:
In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni (Fiesta de San Juan und Sommersonnenwende) sieht man überall die typischen Feuer in der Nacht. Das eindrucksvollste Fest auf der Insel, mit der man den Sommer begrüsst, findet an der Playa Jardin im Ortsteil Punta Brava von Puerto de la Cruz statt. Mehrere gewaltige Feuer erleuchten den Strand mit gespenstischen Licht- und Schattenspiele und im letzten Jahr fand dort sogar ein Open-Air-Konzert der weltberühmten Folkloregruppe "Los Sabandeños" statt, die aus La Laguna stammen.
Viele Tausende Menschen strömen hier zu einem fröhlichem Fest der Freundschaft zusammen. Und nach Mitternacht gehen viele Menschen im Meer schwimmen und lassen Rosen ins Wasser gleiten. Das soll Liebe bringen und sie erhalten.
Und am frühen Morgen danach gehen dann am Fischerhafen von Puerto de la Cruz die Ziegen baden.

Weitere Feste von regionaler Bedeutung sind unter anderem die Kunsthandwerkerausstellung in Garachico vom 30. Juli bis 1. August und das Fest "Virgen de Candelaria", der Schutzpatronin der Kanarischen Inseln, das alljährlich am 15. August stattfindet, und zu dem viele Tausende Menschen zu Fuss von allen Teilen der Inseln nach Candelaria pilgern. Der berühmteste und beschwerlichste ist derjenige, bei dem Hunderte von Menschen von Aguamansa aus (oberhalb von La Orotava) zu Fuss, beginnend am Abend, in der Nacht über das Gebirge nach Candelaria pilgern - eine beschwerliche Wanderung von vielen Stunden Dauer.

Sommerzeit - Fiestazeit. Zeit zum Schauen, zum Mitmachen, zum Essen und zum Trinken - aber auch eine Zeit, in der man viel über die Kultur und die Bräuche unserer kanarischen Gastgeber lernen kann.

Aus Teneriffa Journal No. 79, Sommer 1999