So sieht das Ausland die spanischen "Traditionen":
Tierquälerei in Spanien: Ziegensprünge und brennende Stiere

Jedes Jahr im Januar wieder- holt sich eine grausame Prozedur: Eine Handvoll junger Bur- schen packt die sich heftig wehrende Ziege an Beinen, Schwanz und Ohren und wirft sie mit lautem Gejohle vom rund 20 Meter hohen Glockenturm der Dorfkirche in die Tiefe.

Mit diesem "Opfer" ehrte das kleine nordspanische Dorf Manganeses de la Polvorosa auch an diesem Wochenende wieder seinen Schutzheiligen San Vicente.

Die wenigen Tierschützer Spanies, die im Land des Stierkampfes als ein kleiner Haufen Verrückter angesehen werden, laufen Sturm gegen diesen "Ziegensprung".
Im vergangenen Jahr prügelten sie sich gar mit den Dörflern, dieses Mal kämpften die Tierfreunde gegen die Quälerei nur mit bösen Resolutionen.

Immerhin bewirkten die Proteste, dass die Ziege sich nicht mehr auf dem Pflaster des Kirchplatzes das Genick bricht, sondern nun von einer fröhlich-angeheiterten Schar Jugendli- cher in einem grossen Tuch aufgefangen wurde.

In der Decke trägt die Dorfjugend das geschockte Tier dann triumphierend durch die Dorfgassen, an Tausenden von Menschen vorbei, die aus der ganzen Region zu der San-Vicente-Fiesta strömen.
Die grölende Gemeinde zieht von Bar zu Bar, denn das Heiligenfest ist vor allem ein Sauffest, das am Abend mit dem "Ziegentanz" beschlossen wird.

 

"Jährliche Barbarei"

Dort schubst die zur Musik hopsende Menge die Ziege noch ein bisschen übers Parkett, bevor man das stundenlang gepeinigte Tier wieder in den Stall sperrt.

Der Bürgermeister des Nestes, Demetrio Prieto, versteht die ganze Aufregung nicht, die vor allem ausserhalb Spaniens durch den Blätterwald rauscht. "Die Ziege leidet nicht", behauptet er. Und deswegen "hat niemand das Recht, sich in unser Fest einzumischen".

Eine der grossen Zeitungen Spaniens, das Blatt Diario 16, hat es nun doch gewagt, die "jährliche Barbarei" auf der Titelseite anzuprangern: "Es ist weiss Gott nicht notwendig, eine Ziege vom Kirchturm zu werfen, damit ein Ort sein Fest geniessen kann. Damit sollte endlich Schluss sein".

Der Ruf wird vermutlich ungehört verhallen. Die Politiker wollen sich mit diesem heissen Eisen nicht die Wähler verscherzen. Und die traditions-freudigen Dörfler verweisen darauf, dass es noch viel grausamere Traditionen in Spanien gebe, über die sich (fast) kein Mensch errege.

Damit haben sie nicht einmal Unrecht. Denn in Spanien, wo der beliebteste Volkssport immer noch der Stierkampf ist . . . . ., da haben Tiere praktisch keine Lobby, der gesetzliche Tierschutz ist völlig unterentwickelt.

Jährlich werden hier rund 20.000 Stiere unter dem Jubel des Publikums in einer qualvoll langsamen Zermonie, der "Corrida" hingerichtet.

In der Region Valencia ist es gar Tradition, die Hörner der Stiere mit Teer einzureiben und die Tiere dann als lebende Fackeln durch die Stadt zu treiben.

Beliebt sind im ganzen Land auch Feste, bei denen Hühner oder Gänse kopfüber an einem Seil über der Strasse hängen und Reiter ihnen vom galoppierenden Pferd aus die Köpfe abreissen.

Dies ist zwar offiziell genauso verboten wie Steinigungen von Federvieh und Hundekämpfe - doch in der Provinz kümmert dies kaum jemanden.

 

Tageblatt (Luxemburg)

 

 

Ein Hinweis: Stierkämpfe sind auf den Kanaren verboten.

Die Redaktion

 Teneriffa Journal Nr. 78 März/April 1999 TJ-tierquälerei